Guten Morgen, Fräulein Roggendorf
Wenn Männer in die Jahre kommen, wo sie keine schlechten Beispiele
mehr geben können, fangen sie an, gute Ratschläge zu geben.
Der Autor kennt die Gefahr und hütet sich davor. Er erzählt,
wie hilflos er in der einklassigen Schule begonnen und sein "Tränlein" über
seine Unfähigkeit vergossen hat. Vorbild war für ihn in
der Haupsache sein Vater. Mit unzureichender Ausbildung und schlechter
Besoldung haben die alleinstehenden Lehrer in den überfüllten
Klassen Bewundernswertes geleistet. Sie waren bildungshungrig und
fleißig, spielten dem Herrn Pastor die Orgel und übernahmen
viele kulturelle Aufgaben. Wer will ihnen übel nehmen, dass sie
gute Patrioten, und trotz geistlicher Schulaufsicht auch
noch treue Diener der Kirche waren?
Diese Zeit wird in vielen eigenen Alltagserlebnissen rund
um die Schule in persönlich gefärbter Sprache dokumentiert.
Aus Sicht der heutigen Zeit sind dabei auch die leidvollen Erfahrungen
spannend und anrührend beschrieben.
Zur Schule aus der Kaiserzeit:
Das hervorstechendste Merkmal der alten Schule ist die
dominierende Rolle des Lehrers. Er steht am hohen Katheder, trägt
den Stoff vor, lässt ihn nachsprechen, nachschreiben in
Schönschrift und auswendig lernen. Er lobt und tadelt und
besitzt eine unvorstellbare Autorität. Es klingt unglaublich,
dass Lehrer Einstellungen von Kolleginnen abgelehnt haben, wegen
Mangel an geistiger und körperlicher Reife. Das Lehrerinnenzölibat
verbot die Heirat. Für diese Stellung der Lehrerin stehen
im Buch die aussagekräftigen Erzählungen über
Fräulein Roggendorf.
In der heutigen Museumsschule in Bergisch Gladbach Katterbach
und im Bensberger Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe
lassen wir diese Zeit wieder lebendig werden. Dabei können
Kinder und Erwachsene auf Wunsch an einer Historischen Schulstunde
teilnehmen und die sozialen Tugenden der Unterordnung, des Gehorsams
und des Fleißes nachhaltig empfinden.
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