PRODUKTE - PRESSEARTIKEL


Swingen in Ruinen


Kölnische Rundschau, GISBERT FRANKEN, 05.11.05

BERGISCH GLADBACH. Jede Epoche hat ihren Alltag, ihre Routine und ihre Normalität, auch wenn sie so aus den Fugen geraten ist wie die von Älteren oft zitierte „schlächte Zick“, die Hunger- und Elendsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch damals wuchsen in zerbombten Ruinenstädten wie Köln Kinder auf, für die Hamsterfahrten aufs Land, Klütenklauen (kölsch „fringsen“ genannt), Zigarettenwährung und Feilschen mit Schwarzmarktschiebern zu heute noch prägenden Jugenderinnerungen gehören. Einer von ihnen ist der Gladbacher Autor Heinz Monheim, Jahrgang 1936, der gestern bei Fritz Roth seinen fünften Band mit Anekdoten aus diesen Jahren „zwischen Krieg und Frieden“ vorstellte.

Anders als die früheren Bände der „Erlebten Kölner Stadtgeschichte“, die von Bachem herausgebracht wurden, hat „Bomben, Kaugummi und Swing“ nun in Alfred Rass einen Gladbacher Verleger gefunden. Inhaltlich schließt das 181 Seiten umfassende Buch aber bruchlos an seine Vorgänger an. Wieder versteht es Monheim, die Härten der Zeit in einer Mischung aus gutmütigem Humor und betroffener Nachdenklichkeit auf den Punkt zu bringen.

Besonderes Augenmerk legt Monheim diesmal auf die Geschichte, wie der Jazz nach Köln kam. Swing wurde zum musikalischen Ausdruck von Lebensdurst und Freiheitshunger der ersten Nachkriegsgeneration, die durch amerikanische GIs mit der von den Nazis verbotenen „Negermusik“ in Berührung kamen. Weil kaum einer die englischen Texte verstand, entstanden zu Standards wie Chattanooga Choo Choo oder „Sentimental Journey“ kurzer Hand kölsche Fassungen, von denen Monheim einige rekonstruiert und der Nachwelt überliefert hat. Für das richtige Swing-Feeling bei der Lesung sorgte das Porzer Jazz-Duo Angelika Görs (Gesang) und Rolf Marx (Gitarre).




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